Nun ist es ja angeblich so, daß wir Leser(innen) gute Literatur von Schund unterscheiden können und Schund nur lesen, wenn wir gerade das Hochliterarische vergessen haben und am Flughafen oder Bahnhof einen Schundschmöker kaufen müssen…
Deshalb ist es nachgerade wichtig, daß die WELT in einem Artikel von Hannes Stein (erst habe ich auf Herrn Rainer Moritz, den Fußball-, Schlager-, Krimi-Apologeten und leider auch Leiter des Hamburger Literaturhauses getippt) nun ausführlich darlegt, warum ein schlechtes Gewissen unnötig sei:
im Schund offenbare sich das Ur-Mythische und das brauche der Mensch / Leser nun mal eben.
Ich gebe immer wieder zu, daß ich als Studentin Groschenheftchen geschrieben habe, weil ich mir damit leichtes Geld für meine Reisen verdienen konnte, aber gelesen habe ich diese nie. Ich habe sie einfach ausgerechnet.
Und heute muß ich dazu sagen, daß diese Apologie des Schunds, wie sie der Herr Stein da von sich gibt, bei mir nicht greift.
Gründe gegen den Schund:
- ich mag keine Charaktere, die ich vorausberechnen kann
- mehr als ein Adjektiv pro Substantiv halte ich nicht aus
- auch gute Literatur ist nicht schwierig zu lesen, geht als "brain candy" allemal durch
- Verdummung ist nur dazu da, die Hirne zu verkleistern
- mir ist es schade um die Zeit, dazu ist mein Leben zu kurz, dazu gibt es zu viele Bücher
- mir wird übel beim Lesen
Mir fehlte die Zielgruppe bei diesem Buch, dem Buchhandel fehlt wohl eine Formvorstellung…
So schreibt Burkhardt Müller in der Süddeutschen (via Perlentaucher):
leider hat sie [die Odysse...] auf halber Strecke ihren Witz verloren, als "ziellos schweifende Groteske" endet der Roman nach Ansicht des Rezensenten. Ein Umstand den Müller allerdings nicht allein dem Autor anlasten möchte, sondern auch den Verwertbarkeits-Kriterien des Buchhandels, der die Form des Romans fordere – einer Form, dem die Kurzatmigkeit des Schmidt’schen Humors nicht entsprechen könne.
Felix Philipp Ingold hat sich ja schon zur aktuellen Lage der Literaturkritik geäußert, hier auf Buchbestattung vorgestellt, nun lese ich in der NZZ einen deftigen Kommentar zu den auf den Buchdeckeln geronnenen Teasern:
Hier nur ein kleiner Auszug:
Was Moser über Jenny Erpenbecks Erzählungen an lobend Gemeintem las, kam ihm schon fast wie ein Verriss vor: «Von diesen Storys würde man die dünnste nicht gegen einen dickleibigen Gegenwartsroman von gewöhnlicher Qualität eintauschen» – er hätte auch sonst nichts gegen einen dickleibigen Gegenwartsroman von gewöhnlicher Qualität eintauschen wollen. Und er mochte beim Lesen weder Achterbahn fahren noch – wie langweilig – an einer Tombola teilnehmen, bei der jedes Los einen wunderbaren Preis gewinnt.
Und richtig schreiben können diese Rezensions-Zerstückler auch nicht, Stories sind nun mal Stories und nicht Storys.
Aber das gehört in die Rubrik "simplengisch.
Ich habe Lobesworte. Für den Kolumnisten.


