Das verstehe ich einfach nicht. Da wird ein Buch beworben und viele flippen aus. Nun dürfen sie was kaputtmachen, aus dem Fenster werfen oder an einen Baum binden. Weil ihnen eingeredet wird, daß das die große Freiheit sei, daß sie sich damit über bestehende Tabus hinwegsetzen können.

KeinBuchKeine Eselsohren, bloß keine Fettflecken, nicht verknicken und bitte auf keinen Fall mit Wasser in Berührung bringen! So ein Quatsch. Für das KeinBuch gelten keine Verbote. Es will benutzt werden und soll hinterher auch so aussehen. Das KeinBuch nimmt die Angst vor dem Buch. Entgegen der üblichen Vorgehensweise, dass man Bücher sorgsam behandeln muss, soll es hier eben nicht so sauber und ordentlich zugehen. Das KeinBuch soll kreativ zerstört werden. Am Ende entsteht ein ganz persönliches Kunstwerk.

Sorry. Da wird wieder ein angebliches Tabu aufgebaut, und ein Gegenmittel angepriesen, um das arme kleine Ich zu stärken.
Kann man erst frei sein, wenn man etwas dafür  kauft?
Wenn etwas als Ware vorhanden ist?
Nur durch Konsum werde ich creativ?

Ich hab da echt eine Blockade, verständnismäßig.
Mein Großvater hätte gefragt: "Fällt Euch nichts Besseres ein?"
Ich frage: "Fällt Euch das nicht von selbst ein? Braucht Ihr dafür ein Produkt? Müßt Ihr dafür konsumieren?"

Tja. Wenn ich ein Buch an einen Baum binde, ein Gedicht an eine Wand schreibe, werde ich für bescheuert erklärt. Von denen, die nach dem Kauf dieses Buches ganz begeistert ein Buch an einen Baum binden oder eine Seite rausreißen.

Entlarvend ist auch die Amazon-Liste "Kunden, die dieses Buch kauften, kauften auch:"

  • HABA 1103 Mobile Zwitscherlinge
  • Beruhigungssauger FreeFlow
  • Musikalische Softwürfel
  • und auch die Schnullerkette Hoppel

6 Antworten to “KeinBuch – Wreck This Journal – Konsum als Tabu-Brecher?”

Kommentare (6)
  1. Basti sagt:

    Ich frag mich immer, wieviel weniger schlimm ist so ein wehrloses Buchzerstörungsverhalten als die Bücherverbrennungen!

  2. Jens Wiese sagt:

    Ich habe sowohl das “Wreck” als auch das “KeinBuch” hier liegen und sehe es en wenig anders als du. Für mich geben die Anweisungen im “Wreck” (das bearbeite ichgerade) Anstöße für neue Ideen und fördern die Kreativität. Das Wreck ist nachher also mehr ein persönliches Gesamtkunstwerk und mehr als nur ein Buch.

  3. Connie sagt:

    Hallo Jens, aber “Creativität nach Anleitung” …

    was ist da wichtiger, der Tabu-Bruch oder das Creativ-Werden? Wobei ich bei Letzterem immer an den verehrten Watzlawick denken muss, “sei doch mal spontant” geht eben ebensowenig wie “sei doch mal creativ”

    Meine Frage ist, ob man dazu erst solch ein Buch braucht?

    Und wieso flippen Erwachsene bei einem Kinderbuch so aus?

    Ich glaube nicht, daß der Effekt solcher Bücher lange vorhält, wenn alle Vorschläge “abgearbeitet” sind, kommen dann eigene Gedanken? Ideen?

    Ich hab ein Gedicht von Felix Philipp Ingold an der Hauswand angebracht und ein Gedicht in einen Baum geritzt (wächst seit 8 Jahren jetzt und wird immer grösser) …
    Texte mit Blumensamen in Wiesen geschrieben oder böse Texte mit Essig-Essenz in gepflegten Rasen geätzt ;=)
    stand aber in keinem Buch als Tip…

    ich denke, wir sollten viel mehr auf die eigene Phantasie vertrauen als uns vom Kommerz was vorkauen und als eigene Leistung verkaufen zu lassen

  4. Connie sagt:

    @Basti,

    das kann man eigentlich nicht vergleichen.

  5. Fred sagt:

    Na ja, mehr als ein netter Gag ist das im Grunde nicht, oder? Als Nächstes veröffentlicht noch jemand ein Buch mit hundert leeren Seiten … wer es braucht, bitte! Ich halte mich lieber an die gehaltvollen Literaturklassiker.
    Fred

  6. Connie sagt:

    Moin Fred,

    die Blindbücher gibts ja schon, aber vermarktet als “ultimative Stimulanz für Kreativität” werden sie noch nicht ganz so unverblümt…
    und mit ISBN werden sie auch nicht geführt.

    Wäre aber eine Idee… “besiegen Sie Ihre Schreibblockade, schreiben Sie einfach Nichts” ….

Eine Antwort hinterlassen

© 2010 Buchbestattung Suffusion WordPress theme by Sayontan Sinha