Solche Bücherlisten sind immer ein Seiltanz:
weshalb soll man etwas lesen und weshalb gerade diese Bücher?
Ich hatte dieses Buch neulich in einer Buchhandlung gesehen und mal durchgeblättert und es wieder weggelegt. Die Auswahl erschien mir doch gar zu willkürlich und vor allem: Wer ist die Zielperson dieser Empfehlung? Wer ist “Sie” der soll?
Dann lese ich beim Perlentaucher den Klappentext und werde erneut stutzig:
Vorgestellt werden Bücher, die von Lesern und Kritikern weltweit zu Kultromanen erhoben wurden.
Was bitte ist ein Kultroman? Dieses Wort ist ein Unwort an sich. Diese Sehnsucht nach Kult geht mir auf die Nerven. Die banalsten Deppen schwätzen am meisten von Kult…
Und warum bitte sind nur Romane Bücher? Auch diese Frage stellte sich mir.
Und dann finde lese ich Burkhardt Müllers Rezension aus der Süddeutschen vom April 2007 in o.g. Perlentaucher-Artikel und stelle fest, daß er mir mal wieder aus der Seele spricht. Und sehr viel kompetenter als ich es vermag dieses Buchkonzept eindeutig und mit klaren Aussagen vernichtet.
Warum dieses Buch wieder aus der Versenkung auftaucht? Nun, ein Leser hat es beim Perlentaucher empfohlen und deshalb tauchte es dort auf der Webseite in der Seitenleiste auf. Dieser Leser hat sich wohl in der Zielgruppe seiner Empfehlung geirrt..
Peter Boxall (Hrsg.)
1001 Bücher, die Sie lesen sollten, bevor das Leben vorbei ist
Edition Olms, Zürich 2007
ISBN-10 328300529X
ISBN-13 9783283005290
Gebunden, 960 Seiten, 29,95 EUR


Ich finde dieses Buch genauso sinnvoll wie “1001 Albums You Must Hear Before You Die” oder “1001 Filme: Die Sie sehen sollten, bevor das Leben vorbei ist”…
Vor allem: Was ist denn für den geneigten Leser dieses Buches ein “Kultroman” – Wer bestimmt, ob etwas “kultig” ist und was “unkultig”? Nach welchem Konzept werden diese Romane ausgewählt bzw. die Autoren? Und vor allem, warum werden nur Romane benannt? Warum nicht Graphic Novels, Erzählungen, Komödien etc.pp.?
Fragen über Fragen…