Ich komme jetzt nicht mit der Bewertung, ob ein Kindle (idiotischer Deppenname) zu dunkel, zu hell, zu schwer, zu teuer sei, darum geht es nicht.

Mir macht es bange, mit welcher Euphorie / Technikbesessenheit diese Lesegeräte gehypt werden. Seit der Buchmesse hat ja wohl inzwischen jeder Technikredakteur, der so ein Teil in die Hand nehmen durfte, sich darüber ausgelassen.

Darum geht es mir nicht. Mir geht es um etwas Grundsätzliches:

Wer leichtfertig von diesen Geräten als “Buch der Zukunft” schwätzt und sich dabei als Prophet fühlt, sollte mal die nachstehenden Punkte durchlesen und dann ganz still mal nachdenken:

  1. Artikel 26 der Menschenrechtserklärung:  Jeder hat das Recht auf Bildung. Die Bildung ist unentgeltlich …
  2. Bücher, Literatur sind Bildungsgut. Gehören zum kulturellen Erbe der Menschheit. Je ungehinderter der Zugang zu Büchern ist, desto mehr Freiheit hat der Mensch, desto mehr Möglichkeiten zur freien Selbstbestimmung und Selbstentfaltung.
  3. Bücher müssen überall erhältlich und auch lesbar sein. Es kann nicht sein, daß Bücher durch Lesegeräte ersetzt werden, welche Strom benötigen und die Menschen in die Abhängigkeit von Stromlieferanten zwingen.
  4. Bücher werden von freien Menschen und freien Verlagen und freien Bibliotheken und freien Buchhändlern etc. bereitgestellt. Es kann nicht sein, daß die Industrie bestimmt, welche Bücher für Lesegeräte erstellt werden.
  5. Einem Buch ist es egal, ob es auf einer Setzmaschine, Lichtsetzmaschine oder Handdruckmaschine produziert wurde, einem Lesegerät-Text nicht.
  6. Es ist eine Einschränkung der Freiheit, wenn die Entscheidung, ein Buch zu lesen, von einer Entscheidung für eine Marke (nicht Technik) und damit von einer Entscheidung eines Kapitalisten abhängt, das Buch überhaupt zu produzieren.
  7. Ich erinnere an die unselige Geschichte mit den verschiedenen Video-Formaten und regionalen Codes, wo ein Herstellerkonsortium meint, mir vorschreiben zu dürfen, daß ich legal gekaufte DVDs etc. in Milwaukee, aber nicht in Altona lesen darf.

Das gebe ich zu bedenken.

    Eine Antwort zu “Lesegeräte – Bildungsgut?”

    Kommentare (1)
    1. Zu 1.) Bildung sollte unentgeltlich sein.

      Da gibt es meiner Ansicht nach viel größere “Feinde”, z.B. die Einführung von Studiengebühren oder aber z.B. in den Bundesländern Berlin / Brandenburg / Hamburg / Bayern und Sachsen zu zahlende Betrag für das Nutzen von Schulbüchern bzw. das Kaufen von Schulbüchern.
      Im Bundesland haben Eltern die Schulbücher ihrer Kinder bis zu 100 Euro selbst zu kaufen; in Bayern bezahlt man einen Betrag die Schule und erhält die ‘alten Schinken’, wahrscheinlich schon älteren Jahrgangs, wobei der Betrag dabei bis zu 150 Euro sein kann.

      Ich habe indes kein Problem mit dem technischen Fortschritt und glaube auch nicht, dass es sich flächendeckend durchsetzen wird. Mag auch die Speicherkapazität eines Lesegerätes steigen bzw. das Buchangebot sich vergrößern bzw. sich der Stromgebrauch im laufe der Entwicklung verringen, so bleibt doch ein Buch für die meisten etwas, was sie zumeist als Freizeitgestaltung nutzen. Ergo, das Buch zusammen mit einer Tasse Tee / Kaffee gemütlich auf dem Sofa zu Hause oder aber als Reisebegleitung im Zug. Und demnach dürfte dieses Gerät für die meisten Menschen keine besonderen Vorteile bringen. Zumal die Augenbelastung für Menschen der Generation 40+ (… die im übrigen immer noch die größte Gruppe der Leser stellt) zu groß sein dürfte.

      Allerdings sollte es mit dem elektronischen Lesegerät für Lektoren, Verlagsmitarbeiter, aber auch Autoren leichtere Wege der Kommunikation geben – diese Geräte sind, soweit ich das bisher nachvollziehen konnte, auch Kommunikatoren bzw. Netzteile, die sich an einen Computer anschließen lassen. Es ist eine platzsparende Alternative für Reisende, gewichtsparend für Schülerinnen und Schüler vor allen Dingen (Zu meiner Schulzeit wog die Schultasche eines Kindes in der 7.Klasse bis zu 20 Kilogramm – man bedenke die Rückenbelastung!)

      Ich stehe diesem Gerät zwar skeptisch, aber nicht ablehnend gegenüber. Ich sehe nicht nur Nachteile, auch Vorteile. Für mich käme so ein Gerät niemals in Frage, allein deswegen nicht, weil ich (da stimme ich mit dir überein) ein Problem sehe gerade bezüglich des Angebotes (Spezielle Verlage wollen, in Koorperation nur mit einem Hersteller stehen…) und zudem es eine finanzielle Angelegenheit ist (Bisher kosten die bis zu 600 Euro, Tendenz fallend — Strom bezahlt sich dennoch nicht von selbst.) -> Voll zustimmen kann dir daher bei Punkt 3 und 6.

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