schreibt Felix Philipp Ingold beim Perlentaucher und beim Volltext , und zeigt auf, was auch bei der gegenwärtigen Kritik am Fernsehen (nicht Fernseh-Kritik, die gibt es wohl gar  nicht mehr) thematisiert wird: Die Ausrichtung am Gefälligen, Gängigen.

Da ich die Erlaubnis für die Wiedergabe des Textes auf www.lyriktext.de erhalten habe, kann ic ein paar Gedanken auch hier wiedergeben.

Er klassifiziert die gegenwärtige Literaturkritik im deutschsprachigen Bereich folgendermassen:

  1. Rezensentinnen, Rezensenten, die sich die Erwartungen und Bedürfnisse literarischer Normalverbraucher zueigen machen und diese gegenüber (oft auch entgegen) den Autoren durchzusetzen versuchen. Vorrangig ist hier der Unterhaltungs- und Spaßfaktor, das heißt die anstrengungsfreie Rezeption von lebensnahen Stoffen mit breitem Identifikationsangebot, wogegen alles Ungewöhnliche, Anspruchsvolle, Experimentelle, Elitäre, Hermetische als zu schwierig abgewiesen wird.
    Die Autoren werden als Lieferanten betrachtet, die das Publikum – die zahlende Kundschaft und als solche auch das Elektorat für die Bestseller-Ratings – im Rahmen eines vorgegebnen Erwartungshorizonts zu bedienen haben. Die Erfüllung solcher Erwartungen wird mit Lob bedacht, die Nichterfüllung als Zeichen mangelnder Aktualität und Realitätsnähe getadelt.
  2. Rezensenten, Rezensentinnen, die auf Gefühliges ansprechen und ihr Angerührtsein als ein Wunder kolportieren. Texte dürfen, ja sollen angesichts einer technisch und bürokratisch organisierten Lebenswelt neuerdings wieder “wundersam”, “wunderbar”, “geheimnisvoll”, “märchenhaft”, sogar “magisch” sein, woraus dann ihre zutiefst beglückende, ihre unvergessliche, einmalige, stupende oder auch bloß eindrückliche Wirkung auf den Leser sich ergibt, die von Erschütterung bis Verzauberung alle Gemütsregister umfasst.
  3. Rezensenten, die statt mit Argumenten mit Vergleichen operieren. Es handelt sich dabei um eine eher intellektuelle Spezies von Kritikern, welche sich nicht lang bei der Würdigung einzelner Texte aufhalten, sondern gleich zur literarhistorischen Rubrizierung der Autoren übergehen.
  4. Viertens gibt es Rezensentinnen, Rezensenten, die sich primär durch eigenwillige Metaphernbildungen auszeichnen; die mit Bildern zu brillieren versuchen, wo klare kritische Begrifflichkeit gefragt wäre. Auch dazu wären Zitate in beliebiger Anzahl beizubringen; es sind Formulierungen, die in Vorschau- und Klappentexten ebenso oft und ebenso regelmässig wiederkehren wie in der Buchkritik: “NN gelingt es, die Welt aus den Angeln zu heben und die freie Sicht auf das Poetische zu öffnen.
    ….

Diese Typologie scheint mir sehr geeignet um im Feuilleton wie im Buchladen die Spreu vom Weizen trennen zu können.

   
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