Auf der Seite des Börsenblatts des Deutschen Buchhandels ist gerade eine interessante Diskussion zugange:

Warum lesen Jungs sowenig?

Wolfgang Bittner hielt ein Plädoyer gegen Lesefutterberge und mangelnde Qualität mit dem Titel: Regale und Köpfe sind verstopft.

Ja. Beim Lesen seines Plädoyers stimme ich ihm zu, folge seinen Argumenten, und dann bemerke ich, daß die Kommentare viel interessanter sind als der Text, was  nichts gegen den Text sagen will, denn manche Dinge sollten immer wieder gesagt werden…

Aber in den Kommentaren kommt die Rede auf die Dominanz der weiblichen Erzieher, welche die Jungs vom Lesen abhalte, auf die Dominanz der Mädchen-Literatur, und irgendwie soll da der Schwarze Peter den Frauen zugeschoben werden.

Als ob es an den Frauen liegt, wenn es nur schlechte Mädchenbücher gibt.

Da ist ein Interesse dahinter. Und das ist nicht neu. Das war schon immer so.

Ob es nun “Pucki – unser Mütterchen” heißt oder  ob es ein zeitgemäßeres Buch ist, es hat Methode!

Frauen dumm zu halten ist ein uraltes Prinzip. Marketing ist heute eine starke Waffe, mächtig und erfolgreich wie nie zuvor.

Um so perfider ist es, die Resultate dieser Lese-Bildung den  manipulierten Leserinnen  vorzuwerfen.

Und was die vielen Frauen in der Lehrerschaft angeht: Weil die Männer es nicht tun wollen, sind die Frauen schuld.

Ist es wirklich so einfach?

8 Antworten to “Nichts mit Prinzessinnen…”

Kommentare (8)
  1. Na ja, in dieser Diskussion ist wieder auffallend, dass weibliche Diskutanten sich sofort angegriffen fühlen, wenn auch nur die Rede dessen ist, dass es einen Zusammenhang zwischen einer Dominanz weiblichen Lehrpersonals und der schlechten Leseleistung männlicher Kinder und Jugendlicher gibt. Ich würde diesen Faktor nicht ausschließen wollen, allerdings denke ich liegt es allgemein an einer starken Verweiblichung.

    Und bevor ich erschlagen werde wegen dieser Formulierung, möchte ich mal erklären, was ich meine: Ich denke, dass in der Generation “Alleinerziehend” besonders jungen Männern männliche Lesevorbilder fehlen. Nicht nur ein männlicher Elternteil, sondern auch im Kindergarten, Freundes- oder Verwandtenkreis. Nach wie vor gibt es sehr starre Rollenbilder, traurig aber wahr, nach denen Eltern nach wie vor ihre Kinder erziehen. Mädchen – Puppen und Bücher, Jungs – Fußball und He-Man (nur Beispiel). Nach diesen Rollenbildern agieren sogar die eigenen Eltern, ergo: Wenn ein Kind kein männliches, lesendes Vorbild hat oder kein eigenes Interesse entwickelt am Medium Buch sieht es ziemlich schlecht aus.
    Alleinerzogene Jungen, ohne jedes männliches Vorbild, haben es sehr schwer aus diesen Rollenvorstellungen auszubrechen oder aber sie leben mit den Bedingungen weiter, die man ihnen im Freundeskreis vorlebt und da Lesen eine äußerst weibliche Angelegenheit ist (Dazu muss keine Statistik wiedergekäut werden, oder?), dürfte dieser wohl kaum dazu verhelfen sich einem Medium wie dem Buch zuzuwenden.

    Und noch was anderes: Lesen ist in der Schule eine Tätigkeit, die bewertet wird. Wenn jemand nicht gerne liest bzw. zu hause auch nicht die Möglichkeit dazu hat, stehen die Chancen schlechter, dass auch ein “normales” Leseergebnis erzielt wird (Sätze werden flüssig, ohne Pausen, außer an den richtigen Stellen, wiedergegeben) und wer macht schon etwas gerne, was er nicht gut kann? Ist die Leistung schlecht, ist auch der Wille und das Interesse schlecht daran etwas zu ändern.

    So, das war mein Kommentar im Groben und Ganzen.
    Acj ja, noch zu dem “Sie wollen ja diese Berufe nicht…”, dazu möchte ich den Kabarettisten Volker Pispers zitieren: “Sagen sie mal als Mann auf einer Party das sie Kindergärtner sind. Halten sie einen Abend lang die mitleidigen Blicke aus.” –> Lehrer, Kindergärtner, Erzieher. Man frage einmal männliche Berufler und höre sich an, welchen Klischees und Anfeindungen diese ausgesetzt werden. Das Wort “weibisch” ist da noch die harmloseste Beleidigung.

    Noch ein interessanter Link: http://www.tagesschau.de/kultur/meldung121686.html

  2. Connie sagt:

    Ich kann dir in Allem zustimmen:

    1. wenn Jungs keine männlichen Lesevorbilder haben, bestätigst du meine Aussage, daß das schon immer so war, denn ich mich kann auch nicht an lesende Jungs in meiner Kindheit / Jugend erinnern

    2. wer hat die mitleidigen Blicke? Frauen?
    Warum lassen sich Männer von mitleidigen Blicken zurückhalten etwas zu tun?????

    Tja, wenn die Männer sich nicht gegen die von Männern vertretenen Klischees wehren können, wie sollen sich dann Frauen gegen die Männer-Klischees wehren können?

    3. Daß Jungs alleinerzogen werden von Müttern, kann sicherlich auch an den Müttern liegen, aber, da bin ich mir sicher, nicht immer, auch ein Vater, der sich vom Acker macht, ist ein Vater und hat eine Aufgabe! ;=(

    4. Daß Lesen in der Schule bewertet wird und dabei Ängste hochkommen, stimmt das so wirklich? Das weiß ich nicht. Aber es gibt die Lesewettbewerbe, da kann man doch gewinnen und groß rauskommen, ist das kein Anreiz für Jungs?

    Du hast Recht. Den Jungs fehlen Lesevorbilder. Aber da können Frauen nichts dafür. Wie ich auch in meinem Kommentar beim Börsenverein schrieb.
    Wenn Männer nicht in diese Berufe gehen, nicht lesen, den Jungs nicht beibringen, bleiben die Frauen übrig.
    Und die sinds dann.

    Das ist ja die Krux. Sich raushalten und dann denen, die die Arbeit und Verantwortung übernehmen, Dominanz vorwerfen!

    Ich fühle mich nicht angegriffen, ich finde nur, an dieser Verweiblichung sind die Männer schuld.

    Flagge zeigen, meine Herren! (Oder besser, Buch zeigen!)

  3. Puh, die leidige Schuldfrage…

    Na ja, ich kann nur aus meiner Zeit im Praktikum (in einem Gymnasium wohl gemerkt) sprechen, dass selbst dort ein sehr großer Leidensdruck herrscht unter männlichen Kindern (Österreich: Besuch eines Gymnasiums ausschließlich ab der 4.Klasse) bei eventuellen Lesevorträgen zu versagen. Jeder Lesefehler wird sofort vom Lehrer geahndet, bzw. korrigiert, was dazu führt, dass bei einer Häufung von Fehlern diese Kinder dazu neigen sich zu verstecken, gar nicht aufzuzeigen, aus Angst vor der Korrektur, die auch unweigerlich dazu führen kann, dass Kinder ausgelacht werden, gehänselt werden und das nicht von ihrer eigenen “Art”, sondern besonders von Mädchen. Mehrmals konnte ich hören, beobachten und unkritisch von der Lehrerin als Neckerei bezeichnete Beleidigungen àla “Bist ein Junge, musst eh net so gut lesen können!” oder aber “Tja, selbst die Weiber können’s besser, man(n). Was bist du nur für ein Kerl?!” hören.

    Zu der Frage: “Warum lassen sich Männer von mitleidigen Blicken zurückhalten etwas zu tun?????” –> Das würde ich sogar über-geschlechtlich formulieren und fragen, warum beide Geschlechter zu Berufen nicht stehen können, die sie ergriffen haben? Lass einmal eine Frau sagen, sie macht eine Ausbildung zum Maurer, Tischler, irgendein handwerklicher Beruf eben. Am besten noch Bauarbeiter. Es werden genauso merkwürdige Blicke verteilt, allerdings in dem Fall an den Ehemann, den Hausmann, der “dieses Mannsweib auch noch im Bett ertragen muss”. Das ist für mich die eigentliche Krux, dass es in dieser Gesellschaft offenbar auch 40 Jahre nach der ersten Emanzipationsentwicklung es festgefahrene Berufsvorstellungen gibt, die Mann oder Frau ergreifen “darf”. Ob das nun der männliche Kindergärtner ist oder aber der weibliche Handwerker…

    Ach ja, mein Kommentar war nicht ausgerichtet zu sagen, dass sofort allen Kindern, die nur durch einen Elternteil erzogen worden sind, sofort die männlichen Vorbilder fehlen und somit die Kinder irgend einen Schaden davon tragen. Nur ist natürlich die Chance ein lesendes, männliches Kind zu haben, wenn der Vater liest und sagt “Ey, lies das mal!”, als wenn der Vater in der nächsten Kneipe hockt und dem Kind beibringt, wie man eine Bierflasche am besten öffnet.
    Wobei für mich Mütter auch nochmal so ein Thema sind… Lesevorbilder sind ja nicht nur die eigenen Väter, sondern eigentlich zu Beginn beide Elternteile. Und deswegen, so zumindest ist es meine Beobachtung, wird bei beiden “geschlampt” bzw. bei beiden Elternteilen nicht gelesen. Entweder besteht kein eigenes Interesse, oder aber die Eltern sind selbst in einem (ohne das böse auslegen zu wollen) in einem gewissen Bildungsstadion hängen geblieben und lesen selbst nur unzureichend. Dementsprechend würde ich einfach mal behaupten können beide daran arbeiten – Vater und Mutter, Frau und Mann.

  4. Wobei ich nochmal einmal sagen möchte – Nicht alle Jungs lesen nicht, und nicht alle Mädchen lesen.

  5. PvC sagt:

    Die Krux beginnt leider schon früher – sag ich als Frau. Die überwiegende Mehrzahl der LektorInnen sind inzwischen Frauen. Und die entscheiden hauptsächlich, welches Manuskript zum Buch wird und welches nicht. Männer sind Minderheit und fast nur noch in literarischen und Sachbuch-Verlagen zu finden.

    Es ist ein offenes Geheimnis, dass in vielen Genres nur noch das Klischee der “starken” Frau, die nachher doch den starken Märchenprinz bekommt (und multitaskingfähig alles perfekt erledigt, vom Krieg bis zum Abendessen), Chancen hat. Weil angeblich 95% aller Leser weiblich sind und weil Frauen das angeblich so wollen. Nach der Marktforschungsgrundlage suche ich immer noch vergebens…

    In einem Verlag müssen sich für die Jungsbücher männliche Autoren ein Co-Weib suchen, um angenommen zu werden – wo leben wir?

    Darüber raufen sich übrigens Autorinnen wie Leserinnen die Haare (und Männer sowieso) – aber wie kann man’s ändern, dass der Mensch nicht schwarz, nicht weiß gesehen wird, sondern bunt?

  6. Es ist ein offenes Geheimnis, dass in vielen Genres nur noch das Klischee der “starken” Frau, die nachher doch den starken Märchenprinz bekommt (und multitaskingfähig alles perfekt erledigt, vom Krieg bis zum Abendessen), Chancen hat.

    Diesen Satz kann ich nur beipflichten, von Kinder- und Jugendliteratur einmal abgesehen, finde ich es geradezu erschreckend, welches Rollenbild einem Leser, einer Leserin begegnet, wenn man sich in der Reihe der so.g. populären Literatur, auch Bestsellerliteratur befindet. Die Frage ist doch, welches Bild nimmt man als Leser auf? Welches Gesellschaftsbild, welches Handlungsbild bekomme ich und wie agieren die Figuren in den von ihnen belebten Räumen?

    Meine Auffassung ist, dass eine starke Objektisierung statt gefunden hat. Irgend etwas oder irgend jemand muss erreicht werden, mit allen Mitteln, bis zur völligen Selbstaufgabe, bis zur völligen Charakter- und Lebensweg-Anpassung. Weoterhin wird DAS Bild einer ewig bestehenden Liebesbeziehung propagiert, von glücklichen Familien, von Schwangerschaften, an denen der Vater IMMER und JEDERZEIT Freude empfindet; Beziehungen laufen nach einem schema ab, die dem Mann nur dann eine positive Rolle zugestehen, wenn er zunächst cool, gelassen, beinahe hart agiert, aber nebenher der Softie schlechthin sein darf oder muss, um einen Discman mit Walgesängen am dicken Bauch der Freundin zu platzieren… was sage ich Freundin, natürlich Frau! Bevor man Sex hat, muss man natürlich verheiratet sein! – wobei Jugendliche nach wie vor mit 17 andere Interessen haben oder haben sollten.
    Woher ich dieses Handlungsgeschehen habe? Man gehe auf Amazon und suche einmal nach einem Bestseller – “Bis(s) zum Morgengrauen” und man hat die Geschichte, die ich gerade lapidar in einem Satz zusammengefasst habe innerhalb von vier Romanen.

  7. Connie sagt:

    Da geht es der Literatur wie den Fernsehspielen im Fernsehen:
    waren früher die Handlungen realistisch, die Personen alltäglich und die Inhalte trotzdem interessant, geht es jetzt nur noch quer durch den Adel/Finanzwelt/Agenturwelt/Hotelwelt etc…, es werden keine Geschichten mehr erzählt, die irgendetwas mit dem Alltag zu tun haben.

    Es geht darum, wie eine (halb-)starke, überforderte Frau dann doch von einem wirtschaftlich höherstehenden, aber vom Schicksal entfrauten Mann aus ihrem Schlamassel gerettet wird und ihr Unternehmen / Konditorei / Agentur was auch immer dann als Hobby weiterbetreiben kann.. (ist auch fast immer die gleiche Schauspielerin…)

    Diese Stories zur Hauptsendezeit + die Leseerziehung + der Pinke Modeterror => “bloß nichts mit Prinzessinnen” als Abwehr-Spruch macht da Sinn…

    Eine Erziehung zur Freiheit, zum Verstehen der Umwelt und des eigenen Lebens ist das nicht, es ist nur ein Festklatschen auf irreale Inhalte und falsche Leitbilder.

    Traurig.

  8. Petra sagt:

    Als eine, die noch bei einer der militanten Emanzipationsbewegungen dabei war (70er/80er), frage ich mich ratlos: Warum sind es heute vorwiegend Frauen, die diese reaktionären Rollenbilder festschreiben und vermitteln? Und warum werden bei Büchern wie im Fernsehen die Frauen vorgeschoben als ein Publikum, das angeblich nichts anderes will und kauft? (Oder anders gefragt: sind Frauen wirklich so schlimm wie ihr Ruf?)
    Diese Behauptung sauge ich mir übrigens nicht aus den Fingern, ich bin beruflich ständig mit solchen Aussagen konfrontiert und muss mir von Frauen öfter vorwerfen lassen, ich dächte zu männlich…

    Allerdings sehe ich eine immer größere Diskrepanz zwischen dem, was Verleger, Lektoren und Produzenten von ihrem Publikum halten – und dem, was sich die Frauen als Konsumentinnen tatsächlich wünschen. Oder ist das zu idealistisch gedacht?

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