Kein Beruf ist mehr sicher, jeder kann alles, die Dilletanten haben das ungetrübteste Urteilsvermögen…in 5 Minuten professionell zur eigenen wohlmeinenden Rezension oder in 5 Minuten wohlmeinend zur eigenen professionellen Rezension

ist ja auch egal.
Jeder ist käuflich, wer zahlt sagt an und so erklärt sich dann auch die Tatsache, daß es soetwas wie Rezensionsmarketing gibt

Und dann liest sich da soetwas:

Autoren (und Verlage) können bei literaturmarkt.info ein Buch zur Rezension anmelden. Dafür wird eine Redaktionsgebühr erhoben (bis 300 Buchseiten € 150,00; für jede weitere Buchseite € 0,50). Das einzureichende Buchexemplar verbleibt in der Redaktion. Autoren und Verlag eines besprochenen Buchs können den Rezensionstext für ihre Buchwerbung frei zum Nachdruck etc. verwenden. Mit der Zahlung der Redaktionsgebühr erwerben Autor oder Verlag alle Rechte am Text, um ihn beliebig für die weitere Buchwerbung einzusetzen.

Bücher, die negativ zu rezensieren wären, werden nicht besprochen. Die Redaktion ist daher frei darin, den Auftrag zu einer Buchbesprechung abzulehnen. Wird eine Buchbesprechung abgelehnt, fällt die Redaktionsgebühr nicht an.

Tja, schlechte Rezensionen gibt es nicht, denn es ist ja auch scheißegal, ob das Buch gut oder schlecht ist, die Rezensenten-Mischpoke wird sich schon freundlich auslassen über den Schrott. Die Anforderungen an die Rezensenten sind natürlich auch formuliert, zu lesen als ODER und sicher nicht als UND-Verknüpfung:
Verfügen Sie über eine germanistische Ausbildung bzw. über literaturwissenschaftliche Erfahrung? Sind Sie an den Publikationen des aktuellen Buchmarktes interessiert? Haben Sie eine Meinung zu Büchern, die Sie lesen, und wollen diese einem großen Publikum vorstellen? Dann werden Sie Rezensent für literaturmarkt.info.

Interessantes Geschäftsmodell. Die Rezension kostet 150,00 EUR bis zu 300 Seiten, der Rezensent erhält 25,00 EUR. Aber vielleicht darf er dann das Besprechungsexemplar bei ebay verhökern, für ZVAB taugt das sicherlich nicht..

Schaut man sich dann die veröffentlichten Rezensionen an, erkennt man zwei Gruppen: Die Bücher aus den aktuellen bestsellerlisten, die woanders sicherlich kompetenter besprochen werden, schlag nach bei Perlentaucher, stehen neben den Exemplaren, die den Umweg über die Buchhandlung zum Modernen Antiquariat gar nicht zu nehmen bräuchten…

Da kann es dann schon mal passieren, daß zwei Bücher den gleichen Titel verpaßt bekommen… und nein, die Besprechung des ersteren brauchen Sie gar nicht aufzurufen, da dreht sich Ihnen wohl der vielleicht noch ein wenig wohlgesinnte Magen um ..

Dummes Zeug

Im Hamburger Abendblatt findet sich auch eine Besprechung dieses merkwürdigen Dienstes (sonst hätte ich den Literaturmarkt.info auch gar nicht entdeckt),  und der Rezensent findet dann zum Schluß auch noch eine besonders mißglücktes, oder kann man sagen, gelungene?, Besprechung:

So gesehen ist Qualität keine Frage der Kreativität mehr, sondern eine des Kontostands. Dabei kommt dann so was heraus: “Zwischen diesen beiden Seiten einer Medaille wandert XY gekonnt in ihrem ersten Gedichtband.” Für ein so formschön verunglücktes Bild könnte man eigentlich Eintritt verlangen, dann wären die 150 Euro schnell wieder drin. 

4 Antworten zu “Avanti Dilletanti!”

Kommentare (4)
  1. Das wär nix für mich.
    Ich schreibe nämlich am liebsten Verrisse aka “negative Rezensionen” :)

  2. Ich hab gerade mal drei Rezension als Stichprobe angeschaut. U.a. Pynchons “Gegen den Tag” und Karen Duves “Taxi”. Alle drei waren mit Namen und dem Kürzel dpa gezeichnet. Da dpa meines Wissens für Deutsche Presse Agentur steht, vermute ich, daß es sich um Übernahmen fremder Texte handelt, die mit Sicherheit in irgendeiner Form kostenpflichtig sind : und zwar für den Seitenbetreiber. Und ich kann mir nur schwer vorstellen, daß die betroffenen Verlage es auch nur im entferntesten nötig hätten, für solche Titel Rezensionen gegen Entgelt zu bestellen….. Nur eine vierte war anscheinend eine Eigenleistung des Anbieters. Aber weshalb, um Himmels Willen, sollte Der S. Fischer Verlag einen aktuellen Titel von Joyce Carol Oates kommerziell besprechen lassen. Weder Verlag, noch Autorin hätten dafür objektiv einen Bedarf. Wenn man es denn auf Rezensionen im Netz anlegte, wäre die Verbreitung von Rezensionsexemplaren an rezensierende, qualitativ einigermaßen akzeptable Blogger wohl der bessere und billigere Weg, denn so viele gibt es davon im deutschsprachigen Raum auch nicht….. Aber in D. ist das, vermutlich aus Kostengründen und wegen des Aufwandes, bei den meisten und vor allem wichtigen Verlagen nicht üblich. LG tinius

  3. Tinius,

    du hast recht. Die ganze Seite hat haut goût

    Die Idee mit den Rezensionsexemplaren für Blogger ist einfach eine gute Idee…

    das wäre doch eine Möglichkeit, gerade für so einen Bibliomanen wie Magister Tinius ;=)

  4. Ich glaube gehört zu haben, daß die Versendung von Rezensionsexemplaren an Buchblogger in den USA wohl relativ üblich ist. (Andererseits hat es schon einen Vorteil, wenn man nicht damit bedacht wird : ich muß nicht ununterbrochen Aktualitäten rezensieren, sondern kann meinen eigenen Bedürfnissen folgen und ab und an auch längst vergriffene Bücher vorstellen). Büchermangel habe ich eher nicht. Schon der jetzige Bestand sollte bis zum Lebensende in 40 Jahren + ausreichen. Aber Bibliomanen wie ich können ja den Hals nie voll bekommen. ;) Fehlt nur noch der angemessene Wohnraum, wo ich das alles unterbringen könnte…. ;) LG tinius

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