Es ist in Mode gekommen, Buchkäufern manchmal kleine Lesepröbchen mit in die Tüte zu geben. Auf diese Weise bin ich zu dem ersten Kapitel des offensichtlich ziemlich neu erschienenen mittelalterlichen Romans “Die Teufelshaube” gekommen.

Genauer gesagt nicht ich, sondern der Dozent meines Literaturkurses. Am Beispiel dieses kleinen Textes, der schildert, wie ein Mörder von einem Unbekannten hinter einem Vorhang seinen Auftrag erhält, hat er mir und den anderen Kursteilnehmern sehr schön zeigen können, wie man schreiben kann, ohne das Handwerk dazu wirklich zu beherrschen.
Die Erzählung beginnt im ersten Absatz in der Erzählperspektive eines auktoralen (allwissenden) Erzählers, der aber schon im nächsten schlagartig in den Kopf des Mörders “hineingezoomt” wird und sich auf diese Weise plötzlich zu einem personalen Erzähler wandelt. Dieser kommentiert von seinem Standpunkt aus gerade die Umstände, ziemlich schnodderig, unter denen er seine Anweisungen vom Auftraggeber erhält. Dabei schweifen seine Gedanken ab und er sinniert rückblickend über die Gründe und Gegebenheiten, die ihn zu dem Mörder mit seiner entsprechenden Karriere werden ließen. Interessiert das den Leser an dieser Stelle, ist dieser Rückblick wirklich notwendig? Der Leser wird darüber hinaus mehr als einmal durch unklare Perspektiven komplett verwirrt und weiß gar nicht, wo er steht. Einmal ist es ein wirkliches Rätselraten, von welcher Person denn nun eigentlich die Rede ist.
Die Sprache ist holperig und zäh, was aber auch an der schlechten Übersetzung liegen kann. Manche langen Sätze lassen sich locker dreiteilen und würden so für einen gefälligeren Textfluss sorgen.
Ein ganzes VHS-Semester lang hat sich mein Kurs intensiv mit Perspektiven, Zeiten und Figuren beschäftigt. Wir haben gelernt, wie man es sauber macht und wo die Stolperstellen sein können. Wir wollen vielleicht selbst einmal etwas schreiben, das möglicherweise veröffentlicht wird, und wir legen Wert auf das Handwerk, in das wir Zeit, Geld und Mühe investieren.
Andere Autoren haben diese Ansprüche offensichtlich nicht. Macht ja auch nichts, denn ihr Werk ist veröffentlicht und wird mit Sicherheit gekauft und gerne gelesen. Der Erfolg gibt ihnen Recht.

